STEHT DIE STADT WIRKLICH HINTER DEM PROJEKT ODER IST DAS NUR EIN SCHEINARGUMENT DES BAUTRÄGERS?

Frage: Herr Kunze behauptet in der Langenauer Aktuell (22.04.2021), die Stadt stehe hinter seinem Projekt und betont die Umsetzung einer innerörtlichen Nachverdichtung. Mal abgesehen vom positiven Gemeinderatsbeschluss für sein Projekt – wo ist das belegt oder ist das ein Scheinargument?


Antwort: In Anbetracht des in Langenau bestehenden starken Anstiegs der Bevölkerungszahl (IHK Ulm, 2019) und des daraus resultierenden angespannten Mietwohnmarktes hat es sich die Stadt Langenau zur Aufgabe gemacht mehr Wohnraum in der Gemeinde zu schaffen. Die Schaffung von Wohnraum kann durch folgende Methoden erreicht werden:

  • Umwidmung von brachliegenden Industrieflächen

  • Ausweisung neuer Baugebiete (Außenentwicklung)

  • innerstädtische Nachverdichtung von bestehenden Baugrundstücken (Innenentwicklung)

Bei dem Projekt am Simontalgraben handelt es sich um innerstädtische Nachverdichtung.


Gesetz zu Innenentwicklung

Seit 2013 gibt es hierzu das vom Bundestag beschlossene Gesetz zur Stärkung der Innenentwicklung in den Städten und Gemeinden und weiteren Fortentwicklung des Städtebaurechts, das die Zersiedlung und den Flächenfraß stoppen soll. Hierbei ist ausdrücklich vorgesehen, dass die städtebauliche Entwicklung vorrangig als Innenentwicklung erfolgen soll.


Zukünftige Entwicklung in Langenau

Ich habe Ihre Frage zum Anlass genommen, um zu recherchieren wie die Stadt Langenau damit umgeht und bin auf das „Flächenentwicklungskonzept Verwaltungsverband Langenau 2019“ gestoßen. Benannte Kernziele sind hierbei unter anderem (Auszug):

  • Erhalt eines attraktiven, belebten Ortskerns und

  • Innenentwicklung vor Außenentwicklung.


Das Bauvorhaben erfüllt somit das Ziel des Leitplans zur Stadtentwicklung 2035 in dem erkennbar ist, dass das Baugebiet Nördlich der Karlstraße zukünftig noch mehr in den kompakten Stadtkern eingebunden sein wird. Die Stadt Langenau möchte aufgrund des Wohnraumbedarfs und der daraus resultierenden kommunalen Aufgaben drei weitere Baugebiete nördlich des Simontalgrabens als Wohngebiet (Bei Sonnenwirts Keller - 2ha), als Gemeindebedarf (z.b. Schulen oder andere öffentliche Einrichtungen - 1,8ha) und Sondergebiet (Erholung oder andere besondere Nutzung - 3,0ha) ausweisen.


Weiterhin steht in dem „Flächenentwicklungskonzept Verwaltungsverband Langenau 2019" der folgende Leitsatz zu dem Thema „Wohnen“:


Schaffung von vielseitigen und attraktiven Wohnangeboten (Mehrfamilienhäuser, barrierefreies Wohnen, mehrere Generationen unter einem Dach, Gästehaus,..)

Das Projekt steht somit in direktem Zusammenhang zu diesem Leitsatz und erfüllt dabei diverse formulierte Kriterien. Es werden nachhaltige Wohnungen geschaffen, die dem derzeit höchsten im Geschosswohnungsbau angestrebten energetischen Standard KfW40 entsprechen. Diese Schaffung von barrierefreiem, altersgerechtem und zusätzlich sozialem Wohnraum ermöglicht es vielen Gesellschafts- und Altersschichten in einem neuen innerstädtischen Quartier zu leben.


Nachbarschaft

Auch die angrenzenden Nachbarn haben ein nachvollziehbares Anrecht darauf ihre großzügigen Gärten weiterhin zu erhalten. Der individuelle Anspruch auf exklusive Wohngrundstücke mit Ausblick sollte jedoch nicht auf Kosten der Allgemeinheit geschehen. Viele Bürger wünschen sich ebenfalls etwas komfortabler zu wohnen als bisher oder im Alter statt ein Haus zu bewirtschaften, es frei zu machen und in eine moderne Wohnung zu ziehen. Beide Seiten haben nachvollziehbare eigene Interessen.

Wenn es keinen Kompromiss gibt, um den ich mich derzeit bemühe, wird am Ende darüber abgestimmt, welches Gut den Bürgern von Langenau das wertvollere ist.


Frage von: Nina L.

Antwort von: Prof. Dr. Winfried Schwatlo (Konfliktmoderator)



Flächenentwicklungskonzept Verwaltungsverband Langenau 2019

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